Bei jeder Großbestellung einer Reederei für weitere Mega-Kreuzfahrtschiffe taucht unweigerlich, und zurecht, die Frage auf: Wo sollen diese vielen, großen Schiffe eigentlich noch hinfahren? Die Häfen sind doch eh‘ schon ausgelastet, oft von Overtourismus geplagt. Also: Wo finden diese Schiffe noch Platz?
Ein Teil der Antwort sind die Aktivitäten, die man derzeit auf den Bahamas, in der Karibik und teils auch schon anderswo beobachten kann: Kreuzfahrreedereien bauen ihre eigenen Destinationen – Beach Clubs, Privatinseln, eigene Hafenanlagen mit Terminals, Vergnügungspark und Shopping-Dorf. Bereits vorhandenes wird zügig ausgebaut und erweitert.
Exklusivität und Kontrolle sind wichtige Aspekte für die Reedereien. Ziel ist es, zumindest einzelne Häfen in strategische wichtigen Fahrtgebieten oder an besonders wichtigen Orten selbst unter Kontrolle zu haben. Idealerweise sind solche Anlagen künstlich geschaffen, sodass einheimische Bewohner von Veränderungen zumindest nicht direkt betroffen sind.

Privatinseln oder Privatstrände in der Karibik, zu der geographisch auch die Bahamas gehören, gibt es schon seit den 1980er-Jahren. Damals geschaffen im Konkurrenzkampf der Reedereien als exklusives und besonderes Ziel für sonnenhungrige, Robinson-Crusoe-Romantik suchende Urlauber, entwickeln sie sich heute zu strategischen Stützpunkten. Dass sie nebenbei unter den Passagieren auch noch höchst beliebt sind, ist da fast schon ein Randaspekt, wenn auch ein sehr lukrativer.

Hat man im Kreuzfahrthafen von Miami, Fort Lauderdale oder Port Canaveral ein eigenes Terminal als Start- und Zielpunkt für Kreuzfahrten und dazu mindestens eine Privatinsel und vielleicht noch einen eigenen Anleger an einem weiteren Ort, dann steht das Grundgerüst für die Fahrtroute bereits – und zwar risikofrei, weil man über diese Eckpfeiler die absolute Kontrolle hat.
Kontrolle über Häfen, Strände, Inseln
Sieht man genau hin, findet man – neben zahlreichen Exklusiv-Terminals in den großen Kreuzfahrthäfen – bereits viele Destinationen, an denen Reedereien ihre eigenen Einrichtungen unterhalten.
Die Royal Caribbean Group treibt dieses Thema gerade besonders intensiv voran und hat neben der Bahamas-Privatinsel Coco Cay und dem Haiti-Privatstrand Labadee kürzlich einen Beach-Club auf Paradise Island bei Nassau eröffnet und plant weitere in Cozumel im Mexiko und auch in Europa, nämlich in Santorini. In Mexiko baut Royal Caribbean ein privatinselähnliches Ressort namens „Perfect Day Mexico“ in Mahahual bei Costa Maya.
In der Südsee will Royal Caribbean 2027 den Royal Beach Club Lalepa in Vanuatu eröffnen, der eigentlich schon vor der Pandemie geplant war. Und selbst im Expeditionsbereich werden eigene Einrichtungen wichtiger: Silversea will Ende 2026 im chilenischen Port Williams mit dem Hotel „The Cormorant at 55 South“ quasi eine eigene Basis als Gegenstück für das zunehmend überlaufene Ushuaia als Starthafen für Antarktiskreuzfahrten eröffnen.
Norwegian Cruise Line Holdings hat eine Privatinsel in Belize namens Harvest Caye sowie die Bahamas-Privatinsel Great Stirrup Cay in Sichtweite zu Coco Cay.

Carnival hat kürzlich mit Celebration Key auf Grand Bahama ein neues Privatstrand-Projekt in Betrieb genommen. Auch zwei Privatinseln hat Carnival Corp. im Portfolio: Half Moon Cay auf Little San Salvador Island in den Bahamas und Princess Cays an der Südspitze ein Eleuthera, ebenfalls in den Bahamas.
Disney Cruise Line hat im Sommer 2025 den neuen Privatstrand „Lookout Cay at Lighthouse Point“ an der Südspitze der Bahamas-Insel Eleuthera eröffnet. Und mit Castaway Cay in den Bahamas ist Disney aber auch eine der ersten Reedereien, die überhaupt eine Privatinsel besaßen.

Das jüngste Privatinsel-Projekt ist bei MSC Cruises entstanden: „Ocean Cay MSC Marine Reserve“ in den Bahamas ging im Dezember 2019 in Betrieb. Aus einer ehemals industriell zum Sandabbau genutzten Insel hat die europäische Reederei dort ein weitläufiges Strandparadies entwickelt, das gegenläufig zu den eher auf Action ausgerichteten Inseln der Konkurrenz auf Ruhe, Weitläufigkeit und Wellness setzt. Stetig treibt MSC jetzt den Ausbau der Insel voran und plant schon eine zweite, kleinere Insel direkt neben Ocean Cay, Arbeitstitel „Little Cay“.
Zwar nicht exklusiv, aber von MSC Cruises maßgeblich entwickelt ist der Privatstrand Sir Bani Yas Island im Emirat Abu Dhabi für Orient-Kreuzfahrten.
Und die Privatinsel werden ständig weiter ausgebaut:
- MSC Cruises verlängert bis 2027 auf Ocean Cay den Pier, damit zwei Schiffe gleichzeitig anlegen können und baut direkt nebenan eine weitere, kleine Insel, um die Kapazität von Ocean Cay zu erhöhen.
- NCL hat auf Great Stirrup Cay gerade modernisiert und vor allem einen Pier gebaut, damit auch große Schiffe dort anlegen können und die Passagiere nicht mehr wie bisher umständlich und ineffizient per Tenderboot an Land gebracht werden müssen.
- Bei Royal Caribbean ist der große Ausbau von Coco Cay zu einem Insel-Vergnügungspark und Pier für zwei gleichzeitige Anläufe der größten Kreuzfahrtschiffe vorerst abgeschlossen, dennoch kommen immer wieder neue Attraktionen wie zuletzt ein Adults-only-Strand hinzu.
Da schmerzt es wie im Falle von Royal Caribbean besonders, dass der Privatstrand Labadee auf Haiti schon seit längeren unbenutzbar geworden ist. Auch wenn Labadee abgeschieden und weit entfernt von der Hauptstadt Port-au-Prince liegt, ist die anhaltend unsichere Lage auf Haiti ein zu großer Risikofaktor. Bis Ende 2026 hat Royal Caribbean vorerst alle Anläufe in Labadee abgesagt.

Daneben versuchen Kreuzfahrt-Reedereien schon seit vielen Jahren, sich eigene Hafen-Infrastruktur überall in der Karibik aufzubauen. Dazu bauen sie ganze Kreuzfahrt-Häfen neu oder erweitern bestehende Anleger teils in Eigenregie, teils in Kooperation mit den jeweiligen Kommunen.
Zwei Beispiele von vielen dazu sind bei Carnival Corp. die Häfen Mahogany Bay auf der Insel Roatan in Honduras und Amber Cove in der Dominikanischen Republik. Das neueste Projekt unter diesem Aspekt sind Planungen von MSC Cruises in Freeport auf Gand Bahama.

Typischerweise gehört zur touristischen Infrastruktur dieser Häfen dann ganze Shopping-Dörfern direkt an der Pier, aber auch kleineren Ressorts im Stil von Beach Clubs mit Bars, Restaurants oder auch Zip-Lines, kleinere Wasserparks und Strandanlagen mit Wasserrutschen und Süßwasser-Pools.
Sondersituation Bahamas: attraktive Privatinseln vs. ungeliebtes Nassau
Auf den Bahamas spielt zwei weitere Aspekt eine Rolle, die vermehrt zum Bau von exklusiven Terminals oder Beach-Clubs führen:
- Die Bahamas liegen so nahe an Florida, dass sie auf für Kurzkreuzfahrten erreichbar sind sowie als Zwischenstopps für Reisen tiefer hinein in die Karibik dienen – strategisch also eine unschlagbare Lage haben.
- Die Liegegebühren, die Reedereien für die Anläufe mit ihren Schiffen auf ihren Privatinseln in den Bahamas bezahlen müssen, sind deutlich höher, wenn die Privatinsel der einzige Hafenstopp in den Bahamas ist.
Die Bahamas haben das recht schlau geregelt: Entweder kommen die Schiffe auch nach Nassau oder Freeport, wo die Passagiere auch Geld in die lokale Wirtschaft pumpen, oder die Gebühren pro Passagier für die Privatinseln sind entsprechend höher – Stand 2024 sind das zwei Dollar extra pro Passagier.

Die Schwierigkeit für die Reederei dabei: Nassau gehört in den Kundenbewertungen zu den unbeliebtesten Häfen in der Karibik überhaupt. Und in Freeport gibt es zu wenige Anleger, zumindest bislang. Um das Problem zu lösen – also ihre Privatinseln intensiv und zugleich ohne erhöhte Gebühren nutzen zu können und zugleich die Passagiere nicht mit dem unattraktiven Nassau zu nerven – lassen sie sich einiges einfallen.
Royal Caribbean hat auf Paradise Island gleich gegenüber des Kreuzfahrthafens von Nassau einen eigenen Beach Club gebaut. Der ist nicht wie die Privatinseln kostenfrei nutzbar, aber doch als attraktives Zusatzangebot in dem sonst so ungeliebten Hafen. Innerhalb weniger Monate stieg der Beach Club in den Kundenbewertungen laut Reederei ganz nach oben.
MSC Cruises plant ein eigenes Terminal in Freeport plus Aufwertung der touristischen Infrastruktur des Hafens, wie indirekt durch eine Pressekonferenz des Premierministers der Bahamas Ende Januar 2026 gekannt geworden ist.
Royal Caribbean wollte, oder will, auf Grand Bahama rund 25 Kilometer von Freeport entfernt ebenfalls einen eigenen Pier für Kreuzfahrtschiffe und mutmaßlich einen daran angrenzenden Beach Club oder Ähnliches bauen. Grundstücke wurden dafür offenbar schon erworben. Um das Projekt ist es allerdings jetzt einige Jahre still geworden, tot ist es aber vermutlich nicht.
Wo also sollen all die neuen Kreuzfahrtschiffe hin?
Ende 2025 gab es weltweit rund 430 Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 49 Passagieren. Allein in den kommenden fünf Jahren bis 2030 sind über 60 weitere Schiffe bestellt oder in Bau mit einer Kapazität von zusammen über 150.000 Passagieren. Die Kreuzfahrt wächst derzeit um etwa sechs Prozent jährlich.
Allein schon die Planungen der Kreuzfahrt-Unternehmen für eigene Destinationen und eigene Infrastruktur zeigt, dass sich die Reedereien dieser Herausforderung durchaus bewusst sind. Bei Baukosten von über einer Milliarde Dollar für die ganz großen Mega-Kreuzfahrtschiffe wäre es auch fatal, wenn die Reedereien nicht ganz konkrete Planungen hätten, wo genau dieses Schiffe dann auch zum Einsatz kommen können.
Ein Aspekt kommt in der öffentlichen Diskussion um das Wachstum der Kreuzfahrt aber oft zu kurz: Sehr große Kreuzfahrtschiffe sind unabhängiger von attraktiven Häfen und Landgängen, weil sie für immer mehr Passagiere als schwimmendes Ferienressort selbst das Ziel sind.

Mit den immer mehr und immer größeren Schiffen entwickelt sich auch eine neue Kreuzfahrer-Zielgruppe. Für sie steht das Entdecken von Land und Leuten nicht mehr im Vordergrund einer Kreuzfahrt. Es geht vielmehr um ein paar unbeschwerte Tage in einer geschützten Umgebung, in der Sonne, am Pool, an der Bar.
Zumindest unter diesem Aspekt ist die Frage nach dem „wohin“ dann gar nicht mehr so wichtig. Gute Verkehrsanbindung, leistungsfähige Kreuzfahrt-Terminals im Passagierwechsel-Hafen und eine von der Reederei kontrollierbare und steuerbare Destination wie etwa eine Privatinsel oder ein großes Beach-Club-Ressort und lange Fahrtstrecke vom Basishafen entfernt reicht dann notfalls schon aus, um diese neue Zielgruppe glücklich zu machen. Und das sollte auch die Kreuzfahrer-Generation des alten Schlags freuen, können sie doch auf den kleineren Schiffen unter sich bleiben, bei denen die Destination und nicht das Schiff im Vordergrund steht.





Meine Frau und ich würden gerne die Route Mauritius, Madagaskar, La Reunion und Seychellen fahren aber seltsamerweise fährt diese Route nur Aida.
Aida ist aber nichts für uns, eigentlich nur Buffet und ganz schlimm Männer in kurzen Hosen, Adidas Badeschlapfen und weiße Socken zum Abendessen.
Einmal hat uns das gereicht.
Und Liegenreservierer :-(
Ach Franz, ist das wirklich noch das, was wir mal geliebt haben? Schon laaaaange nicht mehr, oder?
Zumindest bei den US-Reedereien entwickelt sich das alles in eine Richtung, die nichts mehr mit der eigentlichen Kreuzfahrt zu tun hat. Aber anscheinend kann man damit halt extrem viel und auch einfach Geld scheffeln.
Wichtig ist für mich nur,das sie zumindest für die Abenteuerlustigen auch das ein oder andere Schiff noch in anderen Gebieten des Planeten fahren lassen und „echte“ Kreuzfahrten anbieten. Denn vom Ambiente und dem Publikum an Bord mag ich einige der US-Reedereien nicht missen.
Lieber Johannes,
so schön, mal wieder Dir zu hören! Ja, Du hast recht, die Kreuzfahrt hat sich stark verändert. Aber, und das ist mein Argument bei diesem Thema: Die Kreuzfahrt wächst immer weiter, erschließt neue Geschäftsfelder/Zielgruppen, aber das traditionelle verschwindet ja dadurch nicht – von Phoenix und Plantours über Crystal und Azamara bis zu den kleineren Celebrity- und HAL-Schiffe und Cunard, Star Clippers, Sailing Classics, usw., eine lange Liste — Das ist ja alles noch da. Es steht nur nicht mehr so im Fokus und hat am wachsenden Markt einen geringeren, prozentualen Anteil. Aber es gibt diese Schiffe und dieses traditionelle Kreuzfahrtgefühl weiterhin.
Ich finde, nur weil alle diese Schiffe zufällig auf den selben Meeren fahren, muss man sie ja nicht als ein Einheit sehen. Ich denke, man kann froh sein, dass es die vielen, großen Schiffe für die neuen Zielgruppen gibt, denn das hält diese Zielgruppen davon ab, die traditionellen Schiffe zu buchen und dort schleichend die Atmosphäre zu verändern.
Herzliche Grüße
Franz
Schade, bevor wir, Skipper, 67/78 in die Kreuzfahrt einsteigen, verändert sie ihr Wesen – und zwar erheblich. Von einem Kurz-Törn Southampton – Hamburg von der QM2 begeistert, soll es im Winter 27/28 in die Karibik gehen. Dabei ist der Weg unser Ziel und die Witterung unsere Hoffnung. Sollte das eine Enttäuschung werden, bleibt uns wohl nur noch die MS Europa … oder das war’s auch schon wieder mit den Ausflügen auf dicke Pötte. Viel Seefahrt ist da nicht mehr – und ehrlich: ich warte fast darauf, daß einer dieser hässlichen „Schuhkartons“ in schwerer See sinkt. Alles hat seine Zeit – die Kreuzfahrt hat ihren Zenit wohl überschritten.
@Hans – das kann ich so nicht bestätigen. HL fährt die Tour öfters auf verschiedenen Schiffen und Routen im Indik mit Madagaskar, Seychellen usw…alles eine Frage des Budgets.
@ Werner – danke aber Hapag Lloyd ist nicht unsere Preisklasse ;-)
Wir mögen auch internationale Reedereien aber leider fährt keine von denen diese Inseln zumindest habe ich nichts gefunden
@Milz: So sehr sie das gerne hätten,die Schuhkartons werden nicht sinken,denn sie sind mindestens genauso sicher wie die älteren Kreuzfahrtschiffe.Und überschritten hat sie ihren Zenit nicht,ich glaube sogar eher sie ist noch immer auf dem Weg nach oben.
@Franz: Leider haben quasi alle von dir genannten Reedereien verhältnismäßig strenge Dress codes und sind relativ bis sehr teuer.
Massenmarkt-Reedereien mit halbwegs klassischem Kreuzfahrtfeeling,die man sich leisten kann und mit wenigen Regeln bezüglich Kleidung (wie z.b. die AIDA Sphinxen) werden auf Dauer wohl aussterben.
@Martin: Ja, der Trend ist wohl so, leider. Auch wenn’s nichts hilft, steckt dahinter halt die enorme Nachfrage nach Massenmarkt-Kreuzfahrt und die soll preisgünstig sein. Preisgünstig funktioniert für die Reedereien aber am wirtschaftlichsten mit großen Schiffen. Der Betrieb kleinerer Schiffe ist in Relation zur Passagierzahl deutlich teurer – deshalb sind die genannten Reedereien auch entsprechend eher im Premium/Luxus-Segment angesiedelt. Auch wenn man’s gerne anders hätte, darf man nie vergessen, dass auch Reiseunternehmen und Kreuzfahrtgesellschaften Wirtschaftsbetriebe, zumeist Aktiengesellschaften sind, deren Geschäftszweck ist, Geld zu verdienen – und da entscheidet sich ein Unternehmen eben für den vielversprechendsten Weg und den Weg, der am meisten Wachstumspotenzial hat …
Ich denke, das Thema würde sich erst ändern, wenn der Reisemarkt mit Kreuzfahrten gesättigt ist, also Neu-Kreuzfahrer nicht mehr v.a. aus dem Kreis der Nicht-Kreuzfahrer rekrutiert wird, sondern Verdrängungswettbewerb unter den Reedereien einsetzt. Dann werden (relative) Nischenprodukte wieder mehr Chancen haben. Aber das wird vermutlich noch sehr viele Jahre dauern, bis der Markt an einem Sättigungspunkt angekommen ist.